Mensch & Tier
Einfach Mensch sein und plötzlich liegt ein Einhorn im Gras
Der Tag war anstrengend, die Nachbarskinder nerven, der Lernstress macht fertig? Da hilft nur auf der Arche anrufen oder eine Whats-App an Gudrun und fragen, ob sie da ist. Hinfahren, tief Luft holen, vielleicht eine kleine Atemübung zum Anfang und dann merke ich schon, wie die Seele zu baumeln beginnt. Plätze dafür gibt es reichlich und wer sich nicht entscheiden kann, fragt Gudrun. Ohren spitzen und Vogelstimmen bestimmen oder dem Wind lauschen. Die Tiere beobachten, irgendein Vierbeiner bietet immer Programm. Und wenn du dann im Gras ein Einhorn siehst, dann ist die Entspannung perfekt.
Im Einklang beim Streicheln und Kuscheln.
Die Arche Brandshagen ist ein absoluter Peace- & SafePlace. Hier wird nie böse gestritten. Wenn es heftigeren Diskussionsbedarf gibt, verlassen wir die Arche und besuchen einen neutralen Ort. Ob Mensch/Tier, Mensch/Mensch oder Tier/Tier. Die einzigen Rangkämpfe gibt es naturbedingt zwischen den Schafen nach der Schur. Sie können sich sprichwörtlich nicht mehr riechen und machen sich über das eine oder andere Kämpfchen wieder miteinander bekannt. Bei den Eseln wird nicht diskutiert, sondern klargestellt. Hier ist Frieda die QueenMum.
Hin und wieder fühlt sich Mensch bei den Beobachtungen der Tiere auch an einen Kindergarten erinnert – obwohl – sooo weit weg ist diese Wahrnehmung gar nicht von der Realität.
Kleine, junge Menschen im Einklang mit den Tieren
Ein Highlight für Kids ist nicht nur ein Kitz aus der Nähe zu sehen. Die Tiere füttern zu dürfen, zu striegeln oder mit einem der Hunde einen Parcours zu laufen – das ist wirklich cool. Von der Flasche über das Leckerchen bis hin zur kompletten Mahlzeit – Kinder lernen schnell, was auf dem natürlichen Speiseplan einzelner Tiere steht, was ihre Leibspeisen sind und was man warum nicht füttern darf.
„Wir Menschen waschen uns vor dem Essen doch auch die Hände.“ So erklärte vor einigen Jahren die 7-jährige Hanna ihrem Bruder, dass sie erst die Esel putzen müssen, bevor die Esel Möhren haben dürfen. Kindermund tut Wahrheit kund – zumindest ein Fünkchen Wahrheit.
Unterwegs im Einklang
Geht noch wem die Treckmelodie der Elefanten aus dem Dschunglbuch im Kopf rum? *flöt* Ganz so im Gleichschritt funktionieren unsere Spaziergänge mit den Tieren nicht. Aber wir haben alle große Freude daran, wenn wir mit den Schafen und die Esel mit uns „Gassi gehen“ – oder umgekehrt. Wir lernen die Tiere zu lesen, noch mehr auf sie zu achten und mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein am anderen Ende der Leine zu handeln.
Neben den „Großen“ freuen sich Wilma und Willi nicht weniger über einen Spaziergang.
Einklang im Team - TeamBesprechungen
Einklang beim Auspowern
Vielleicht ist dir aber gar nicht nach Gesellschaft. Vielleicht möchtest du dich einfach auspowern, Dampf ablassen, was tun, mit dir und deinen Gedanken und Gefühlen allein sein. Sei im Einklang mit dir selbst bei den Tieren. Zu tun gibt es immer was.
Angststörung, Autismus, Depression, posttraumatische Belastungsstörung, Selbstverletzung
Tiere im Einklang mit der psychischen Gesundheit des Menschen
KuschelArbeit mit den Tieren zur Trauerbewältigung
Dieses Gefühl „verstanden“ zu werden, ohne Worte. Haustierbesitzer kennen das auch. Die Katze, die sich zu dir legt und beruhigend schnurrt, weil sie vermeintlich spürt, dass du traurig bist. Der Hund, der dich animiert mit ihm zu schmusen, der dich einfach sofort beruhigt, nur weil er da ist und vielleicht seinen Kopf in deinen Schoß legt. Bei uns sind es die Esel der Arche, war es besonders unser Grau-Esel Jacki, der für solche emotionalen Situationen den besten Riecher, die feinsten Nüstern hatte.
Tierische Begegnungen im Alter
Eines unserer Highlights jedes Jahr ist die Teilnahme an den Tagen der Offenen Gärten in MV. Ein weiterer Termin, der uns sehr am Herzen liegt, ist der Kaffeebesuch von Demenzerkrankten. Zwischen 10 und 15 Menschen Ü50 finden sich mit ihrem medizinisch-pflegenden Kompetenzteam bei uns ein. Bei Kaffee und Kuchen oder bei Kaffee und einem zweiten Frühstück präsentieren wir unsere Tiere, bringen wir die Zwei- mit den Vierbeinern zusammen und erleben so manchen mehr als rührenden Augenblick. Wenn Menschen, die nicht mehr wissen, wer sie gestern oder vorgestern besucht hat, aber sich plötzlich aus der tiefsten Vergangenheit an tierische Begegnungen erinnern. Sei es der Hof, den sie mit Ihren Eltern und Geschwistern bewirtschafteten; der Hund, der sie so lange Jahre treu begleitete. Der Schäfer, der im zarten Alter von 10 seinem ersten eigenen Lamm Geburtshilfe leistete und über die Jahre dann mit einer Herde von 50 Tieren durch MV wanderte. Der vierfache Urgroßvater, der mit seinen Enkeln einen Esel-Urlaub in Spanien verbrachte und die er so vermisst, weil sie in alle Welt verstreut sind und keine Zeit mehr für ihn haben.
Für ein großes Hallo sorgen immer wieder die Kitze, von denen aus Gründen eines von Gudrun vorgestellt wird, aber näheren Kontakt können wir natürlich nicht gestatten. Anders war das bei Fritzi und Alfred, zwei Rothirschkälbern, die wir 2020 aufgezogen haben. Doch dazu am Ende später mehr und hier nur zur Erläuterung des Bildes. Strahlende Menschengesichter und zwei glücklich schmatzende Hirschkälber, die sich über die Extraportion köstlicher Bio-Ziegenmilch freuten, denn immerhin wollten alle mal füttern.
Neben all diesen Bildern und Geschichten gibt es eine Begegnung zwischen Mensch und Tier, die ich glaube ich niemals vergessen werde, die sich, egal wie alt ich auch werde, für immer in mein Herz eingebrannt hat und an die ich mich erinnern werde, wie der Herr an den Hof seiner Eltern, der Schäfer an sein beschauliches Naturleben oder die ältere Dame, die zwei Jahrzehnte ihres Lebens mit ihrem Hund verbrachte.
Bei einem dieser Kaffeetreffen haben wir für unsere Gäste ein richtig kleines Programm zusammengestellt. Wir bildeten einen großen Kreis und mein Schaf Socke verdingte sich als Conférencier und obwohl noch nicht mal annähernd ein Jahr alt, schritt sie von Gast zu Besucherin, von Omi zu Opi, ließ niemanden aus und ließ sich bereitwillig streicheln. Als nächstes gab einer unserer Hunde, der Jack-Russel-Terrier Rocky, ein paar Kunststückchen zum Besten. Tatsächlich schaffte er es, jedes Stückchen Leckerli, das die Senioren in die Luft warfen, fortzuzaubern. Applaus, Applaus. Während dieser Show beobachtete ich die freudigen Menschen im Kreis, die fröhlichen Gesichter, die Heiterkeit, die von einem zum anderen sprang. Bis auf den Herrn schräg vor mir. An ihm blieb mein Blick immer wieder hängen. Zunächst fiel er mir auf, weil er als Einziger einen Mundschutz trug. Die Corona-Zeit war eigentlich schon vorbei. Dann wippte der Herr anhaltend auf seiner Bank und das teilweise so stark, dass die Betreuerin sich zu ihm setzte, damit er nicht mit der Bank nach hinten wegkippt. Auf ihre fürsorglichen Worte reagierte er nicht. Er drehte nicht mal den Kopf zu ihr oder schaute sie an. Nach der Zaubernummer betrat Schoki die Manege.
Schoki schaute unter ihrem Flauschpony dem älteren Herrn direkt in die Augen. In diesem Moment hörte der Mann auf zu wippen und verharrte seinerseits. Es wurde still im Kreis und alle schauten gespannt auf das Senior-Fohlengespann beim „Stutenkieken“. Ich weiß noch, dass ich schmunzeln musste, hatte die Szene doch etwas von „Wer zuerst blinzelt hat verloren!“
In gefühlten Halb-Zentimeter-Bewegungen näherte sich Schoki dem Mann, der sich scheinbar nicht zu bewegen traute. In dem Moment, als Schoki fast den Mundschutz mit ihren Nüstern berührte sah ich, wie sich hinter dem Mundschutz ein Lächeln ausweitete.
Gänsehaut.
Der wippende ältere Herr, der den ganzen Tag noch keine Miene verzogen hat, kein Wort sprach und völlig desinteressiert zu sein schien, lächelte und zog sich sogar den „Schnutenpulli“ herunter. Auch Schoki schien zu lächeln und dieser Moment hatte was wahrhaft berührendes.
Mensch und Tier im Einklang – wenn das nicht passt, dann weiß ich es auch nicht.
So, das war es erstmal vom Einklang zwischen Mensch & Tier auf der Arche Brandshagen. Wer mehr wissen oder es selbst erleben möchte, ist herzlich eingeladen. Schaut euch unsere Angebote an – für Gruppen, Kindergärten und Schulen, Familien, Seniorenzentren etc. Gemeinsam können wir uns ein passendes Programm erarbeiten und umsetzen.
Ach… Socke möchte euch noch etwas ganz besonderes zeigen. Über Fritzi und Alfred habt ihr ja schon etwas erfahren. Bei Hirschkälbern – egal ob Damwild oder Rotwild, ist das mit dem Einklang zwischen Kalb und Mensch nochmal eine ganz andere Geschichte. Also – ihr nach zum Badespaß der etwas anderen Art.
Wer Fragen zum Thema Mensch & Tier hat, kann sich gern an mich wenden oder natürlich auch an unsere Vereinsvorsitzende Gudrun Thiess. Ihre Birgit (Bigi) Schulz